Wetterleitfaden

Nowcast, Radar oder Stundenprognose: Wo liegt der Unterschied?

Radar zeigt den jüngsten Niederschlag, Nowcasting die unmittelbare Zukunft und eine Stundenprognose reicht weiter voraus. Nutze jedes für die passende Frage.

Aktualisiert 16. September 2026

Drei Momente an einem regnerischen Tag: unter einem Vordach Schutz suchen, den Weg zwischen Schauern timen und zu Hause den Tag planen.
Drei Momente an einem regnerischen Tag: unter einem Vordach Schutz suchen, den Weg zwischen Schauern timen und zu Hause den Tag planen.

Radar, Nowcast und Stundenprognose hängen zusammen, beantworten aber unterschiedliche Fragen. Radar zeigt, wo kürzlich Niederschlag erfasst wurde. Ein Nowcast schätzt, was in unmittelbarer Zukunft wahrscheinlich passiert. Eine Stundenprognose nutzt numerische Wettervorhersagen, um weiter in die Zukunft zu blicken.

Die kurze Antwort – und wo du die einzelnen Ansichten in Weathergraph findest

Die drei Ansichten decken drei unterschiedliche Zeithorizonte ab, und die meisten Apps verteilen sie auf verschiedene Bildschirme. Weathergraph zeigt sie in einem einzigen Scrollbereich. So siehst du genau den Horizont, den du gerade brauchst:

  • Radar – „Wo ist gerade der Regen?“ Eine Karte des aktuellen Niederschlags und seiner Bewegung. Eine Beobachtung der letzten Minuten, keine Vorhersage.
  • Nowcast – „Erreicht er mich in den nächsten Stunden?“ In Weathergraph ist das die Minuten für Minute angezeigte Balkengrafik direkt unter den aktuellen Bedingungen. Sie deckt die nächsten drei Stunden ab und benennt die Intensität in mm/h. Die Balkenhöhe zeigt die Niederschlagsrate. So siehst du, wann der Schauer beginnt, seinen Höhepunkt erreicht und nachlässt. Diese Ansicht beantwortet die Frage: „Habe ich zwanzig Minuten, um mit dem Hund spazieren zu gehen?“
  • Stundenprognose – „Wie sieht der Rest des Tages aus?“ Die Hauptgrafik darunter zeigt jeweils etwa anderthalb Tage und lässt sich weiter scrollen. Regen wird dort zusammen mit Temperatur, Wind und Bewölkung als Menge und Wahrscheinlichkeit dargestellt.

Die praktische Faustregel: Je kürzer der Zeithorizont, desto mehr solltest du der Beobachtung vertrauen. Je länger er ist, desto stärker liest du ein Modell ab. Ein Nowcast ist eine Hochrechnung aus dem, was bereits am Himmel passiert. Daher ist er für eine Stunde präzise und ab der vierten Stunde vage. Eine stündliche Modellprognose ist das Gegenteil: weniger genau bei der exakten Minute, aber deutlich besser darin, den Verlauf des morgigen Tages zu zeigen.

Welche Ansicht solltest du prüfen?

Werkzeug Beste Frage Typische Stärke Wichtige Einschränkung
Radarbild oder -animation „Wo wurde Niederschlag erfasst und wie hat er sich bewegt?“ Räumliche Beobachtung der letzten Zeit und Gewitterstruktur Radar misst reflektierte Energie in der Höhe. Es ist keine direkte Zusage, dass der Regen genau an deinem Standort den Boden erreicht.
Niederschlags-Nowcast „Erreicht mich bald wahrscheinlich Regen oder Schnee?“ Detaillierte Kurzfristprognose, abgeleitet aus aktuellen Daten und der Bewegung des Niederschlags Rasche Verstärkung oder Abschwächung, Gelände, Lücken in der Radarerfassung und wechselnde Zugbahnen können die Hochrechnung unbrauchbar machen.
Stündliche Modellprognose „Wie sieht der grobe Plan für später heute oder die nächsten Tage aus?“ Längerer Zeithorizont und viele Wettervariablen Zeitpunkt und lokale Details werden unsicherer, besonders bei weiter entfernten Zeitpunkten.

Das Met Office beschreibt Nowcasting als Darstellung des aktuellen Wetters und Schätzung seiner kurzfristigen Entwicklung. Die von ihm zitierte Definition der Weltorganisation für Meteorologie reicht von der Gegenwart bis sechs Stunden in die Zukunft. Lies die Übersicht des Met Office.

Radar ist eine Beobachtung – mit Einschränkungen

Wetterradar sendet Impulse aus und misst die von Niederschlag und anderen Objekten zurückgeworfene Energie. Dadurch bietet es einen leistungsfähigen Blick auf die aktuellen Bedingungen. Radar kann jedoch auch Objekte erkennen, die nichts mit dem Wetter zu tun haben, flachen Niederschlag in großer Entfernung vom Gerät übersehen oder Niederschlag in einer Wolke erfassen, der den Boden nicht erreicht.

Der US National Weather Service erklärt, dass die Reflektivität die zurückgeworfene Energie darstellt und dass die Interpretation von Radar durch Reichweite und Eigenschaften der erfassten Objekte begrenzt ist. Sieh dir den Radar-Leitfaden an.

Eine Radar-Animation macht die Bewegung sichtbar, indem sie mehrere aktuelle Scans zeigt. Diese Bewegung in die Zukunft fortzuschreiben, ist bereits eine Vorhersage: ein Nowcast.

Ein Nowcast ist eine sehr kurzfristige Vorhersage

Ein Niederschlags-Nowcast beginnt mit aktuellen Beobachtungen – oft mit Radardaten – und schätzt den weiteren Verlauf und die Intensität des Sturms ab. Manche Systeme nutzen zusätzlich Satellitenbeobachtungen, numerische Modelle, maschinelles Lernen oder Messungen an der Erdoberfläche.

Nowcasting ist besonders nützlich für unmittelbare Fragen: Soll ich später losgehen, Regenkleidung mitnehmen oder eine Aufgabe im Freien lieber zuerst beenden? Weniger geeignet ist es, um zu entscheiden, wie das nächste Wochenende aussehen wird.

Da sich Stürme bilden, teilen, verstärken, abschwächen oder ihre Richtung ändern können, bleibt auch eine genaue Minutenangabe eine Schätzung. Verstehe „Regen in 30 Minuten“ als praktische kurzfristige Orientierung – nicht als Garantie, dass der erste Tropfen genau dann fällt.

Eine Stundenprognose liefert den größeren Überblick

Numerische Modelle simulieren die Atmosphäre über den sehr kurzfristigen Zeitraum hinaus und beziehen Temperatur, Bewölkung, Wind, Luftdruck und weitere Variablen ein. Die Stundenprognose zeigt dir die erwartete Abfolge des Tages – auch dort, wo die Radarerfassung eingeschränkt ist oder noch kein Sturm existiert, den man beobachten könnte.

Wenn Nowcast und Stundenprognose voneinander abweichen, liegt das oft an ihren unterschiedlichen Eingangsdaten und Zeithorizonten. Je näher das Ereignis rückt, desto eher kann der Nowcast auf ein Regengebiet reagieren, das der frühere Modelllauf falsch positioniert hatte. Der Nowcast kann außerdem einen Schauer fortschreiben, der sich später auflöst. Behalte beide Zeithorizonte im Blick und passe deine Entscheidung an, je näher das Ereignis rückt.

Regenwahrscheinlichkeit und Regenmenge beantworten unterschiedliche Fragen

Die Niederschlagswahrscheinlichkeit gibt an, wie wahrscheinlich messbarer Niederschlag an einem Ort während eines bestimmten Zeitraums ist. Sie sagt nicht, wie lange es regnen oder wie viel Niederschlag fallen wird. Siehe die Definition des National Weather Service.

  • Wahrscheinlichkeit: Wie wahrscheinlich ist messbarer Niederschlag hier in diesem Zeitraum?
  • Menge oder Rate: Wie viel Niederschlag oder welche Intensität wird vorhergesagt?
  • Nowcast-Zeitpunkt: Wenn Niederschlag erkannt wird oder bald erwartet wird: Wann könnte er beginnen und wie könnte er sich verlagern?

Eine hohe Wahrscheinlichkeit bei kleinen Balken kann bedeuten, dass leichter Niederschlag wahrscheinlich ist. Eine niedrigere Wahrscheinlichkeit bei größeren Balken kann auf ein unsichereres, aber möglicherweise nässeres Ergebnis hindeuten. Die Grafik braucht beide Signale.

Was Weathergraph leistet – und was nicht

Mit Weathergraph Pro prüft die App Nowcast-Daten für den kurzfristigen Zeitraum ungefähr stündlich. Wenn im bevorstehenden Vorhersagezeitraum Regen, Schneeregen oder Schnee erkannt wird, kann Weathergraph in seinem Widget den erwarteten Beginn und die Niederschlagsart anzeigen sowie Regen- oder Schneealarme bereitstellen. Wird kein bestimmter Niederschlag erkannt, erreicht die Vorhersagewahrscheinlichkeit aber den dokumentierten Schwellenwert, zeigt die App stattdessen die Wahrscheinlichkeit an.

Weathergraph mit einem kurzfristigen Niederschlagsalarm samt erwarteter Zeit und Wahrscheinlichkeit.

Weathergraph bietet derzeit keine vollständig interaktive Radarkarte. Die App zeigt den Nowcast als Entscheidungshilfe neben der Stundengrafik an und kann auf lokale Radardienste verlinken. Wenn du Sturmzellen räumlich untersuchen musst, nutze neben Weathergraph einen speziellen Radar- oder offiziellen Wetterdienst.

Weathergraph zeigt derzeit außerdem keine behördlichen Wetterwarnungen an. Bei Gewittern, Überschwemmungen, extremer Hitze, Waldbrandwetter, Gefahren auf See, in der Luftfahrt oder in jeder anderen sicherheitskritischen Situation solltest du den zuständigen offiziellen Dienst konsultieren und seine Warnungen befolgen.

Quellen und Grenzen

Weathergraph

Aufziehenden Regen im Kontext deines Tages sehen

Weathergraph zeigt den kurzfristigen Zeitpunkt von Niederschlag neben der längeren Stundenprognose an. So ergibt ein aufziehender Schauer zusammen mit Temperatur, Wind und den Plänen, die er unterbrechen könnte, Sinn.